Raum und Nähe

Foto: © (c) Cristi Serban

Für jeden von uns hat die Corona Krise unterschiedliche Herausforderungen gebracht, existentielle Sorgen, körperliche und soziale Einschränkungen, rund um die Uhr Kinderbetreuung, Angst um demokratische Werte und vieles mehr. Aber es ist auch eine Zeit zum Reinspüren, Reflektieren und Runterfahren. Nun befinden wir uns in einer Übergangsphase, vieles ist schon wieder möglich (je nachdem in welchem Land man lebt), aber vieles auch nicht.

Im Moment geht es für mich als Seminarleiterin darum Räume zu finden, die groß genug sind, damit wir genügend Abstand zu einander halten können und gleichzeitig dem Bedürfnis nach Nähe und Kontakt wieder Raum geben zu können. Wir sind in der Arbeit mit Berührung im Tanz gefordert, die Balance zu finden, zwischen den rechtlichen und persönlichen Vorsichtsmassnahmen und der Sehnsucht uns frei auszudrücken, miteinander zu tanzen.

Was ist, wenn wir die Chance nutzen und uns damit auseinandersetzten, dass wir im Moment nur eingeschränkt Contact Improvisation ausüben können? Was schenkt uns dieser Moment? Für mich gibt es mehrere Ebenen eines Forschungsfeldes, dies sich auftun.

Raum und Nähe

Der Raum ist eines der 4 Elemente des Tanzes (Raum, Zeit, Körper, Kraft), den es beim Tanzen zu erforschen gibt. Der Raum, den wir mit unserem Körper einnehmen, die Größe unserer Bewegungen, die Richtung, die Nähe/ Distanz zu den anderen Tänzer*innen, die verschiedenen Ebenen, die uns unterschiedliche Bewegungsmöglichkeiten schenken und vor allem der Raum in uns. Das Thema Raum schenkt uns die Möglichkeit genau zu sein, z.B. bei Fragen wie

  • Welche Bewegungsimpulse kommen auf, wenn sich die Größe des Raumes verändert?
  • Welche Zeitqualitäten erlebe ich im Verhältnis zu meinen Bewegungen in unterschiedlichen Räumen?
  • Welcher Ausdruck zeigt sich, wenn ich mehr oder weniger Nähe zu einem anderen Menschen habe?
  • Wieviel Platz brauch ich im Moment, um gut bei mir zu sein?
  • Welche neue Räume eröffnen sich, wenn Gewohntes wegfällt?

Das Thema Nähe ist essentiell, wenn wir mit Berührung und Begegnung arbeiten. Es gibt drei Ebenen: die Nähe zum Selbst, zum Anderen und zur Umwelt. Wir beschränken uns meist in der Auseinandersetzung mit Nähe zum Anderen, wobei die Nähe zum Selbst die Basis für alles das ist, was ich in der Welt erlebe und die Nähe zur Umwelt (Natur, Kosmos, physischer Raum,...) die Erweiterung meiner Selbstständigkeit und Sinngebung bedeuten kann .

  • Wieviel Nähe ist für mich im Moment stimmig?
  • Wenn ich mehr Nähe möchte, wie kann ich sie mir auch selber schenken?
  • Welche frühkindlichen Muster habe ich rund um das Thema Berührung (zu wenig/ zu viel?)
  • Kann ich dem anderen nahe sein und physisch in Distanz gleichzeitig?
  • Wie kann ich Nähe zu meiner Umgebung aufbauen?
  • Kann mir die Natur nah sein?

Was klar ist, dass ein unglaubliches Potential in dieser Auseinandersetzung von Raum und Nähe besteht und wir es nutzen können um uns selbst, unsere Körper, unsere Psyche, unsere Wahrnehmung und unser Begegnungsbewusstsein durch viele Methoden, die Teil der ganzheitlichen Tanz- und Bewegungspädagogik sind, schulen können.