Klein, Groß, Kollektiv

Klein, Groß, Kollektiv - Ebenen der Heilung


Heilung geschieht jeden Tag, ohne dass wir es bemerken, oft müssen wir nicht einmal darüber nachdenken. Wir schneiden uns an einer Glasscherbe und die Haut heilt von selbst, wir gehen erschöpft von einem stressigen Tag ins Bett und wachen energetisiert auf. Wir verlieren einen Freund oder ein Haustier oder einen Verwandten und trauern eine Zeit lang und irgendwann wird dieses Wesen Teil einer süßen Erinnerung an unser Leben werden. Heilung geschieht immer wieder auf kleine und unspektakuläre Weise.


Dann gibt es die größeren Wunden: Unfälle, Scheidung, Tod eines Ehepartners oder Kindes, körperlicher, sexueller oder spiritueller Missbrauch, persönliche und familiäre Traumata. Als ganzheitliche Tanzpädagog*innen grenzen wir den Bereich der Klientel, mit der wir arbeiten, klar ein (keine psychiatrische Diagnose) und gleichzeitig sind wir alle als miteinander verbundene Wesen direkt und indirekt von diesen Wunden betroffen. Ungelöster Schmerz wird nicht selten von einer Generation an die nächste weitergegeben.


Mehr noch: Wir befinden uns in einem Heilungsprozess mit Mutter Erde. Es gibt und braucht dringend einen Heilungsprozess als Spezies, um physisch, psychisch und spirituell das Chaos zu bereinigen, das wir als Menschen diesem Planeten und seinen Bewohnern zugefügt haben. Indem wir uns von der natürlichen Welt abgetrennt und behauptet haben, "über" anderen Wesen wie Tieren und Pflanzen zu stehen, haben wir so viel missbraucht und zerstört. Als einzelner Mensch hast du vielleicht das Gefühl, dass du das nicht getan hast, zumindest nicht absichtlich, und doch sind diese kollektiven Verwundungen in unser kollektives Unbewusstes eingeprägt. "Ökologische Amnesie" ist ein Begriff, den Psychiater verwenden, um die latente Depression zu beschreiben, die wir in dieser westlichen Welt oft erleben.


Das Persönliche ist immer mit dem Kollektiven verwoben. Viele von uns erleben in ihrem Leben Ebenen der Verzweiflung oder depressive Phasen, in denen wir uns hoffnungslos, überfordert und angespannt fühlen. Diese Gefühle können durch ein persönliches Ereignis in deinem Leben ausgelöst werden, aber oft gehen sie in Resonanz mit einem tieferen Schmerz oder einer Sehnsucht nach einem sinnvolleren und gesünderen Leben. In gewisser Weise fürchten wir Stille und Ruhe, weil wir diesen Schmerz und die Sorge um unseren Planeten und die natürliche Welt schließlich fürchten könnten, wenn wir langsamer werden. Als Kultur ist es also klar geworden, dass wir als Spezies die Wunden dieser Erde genauso heilen müssen wie unsere eigenen persönlichen Wunden.


Wie können wir das tun?

Wo fangen wir an?

Wird es ausreichen?


Ich habe keine Antworten auf diese Fragen. Aber was ich tun kann, ist:

Ich kann meinem Weg folgen, ich kann meiner Intuition folgen und ich kann meinem Herzen folgen und das Beste tun, was ich kann.


"Wir können unsere Probleme nicht mit demselben Denken lösen, mit dem wir sie geschaffen haben."

Albert Einstein

Photo

(c)He Shao Hui

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